Monat 5 — Alles wandert in den Mund und der Spiegel ist das Grosste
- Dein Baby hat diesen Monat zwei Dinge entdeckt: sein eigenes Spiegelbild und die Tatsache, dass jeder Gegenstand auf der Welt Essen sein konnte. Beim Zweiten liegt es falsch, aber es ist entschlossen.
- Monat 5 ist, wenn die Personlichkeit uneingeladen auftaucht. Es hat jetzt Vorlieben. Es hat Meinungen. Und es wird dir diese Meinungen in voller Lautstarke mitteilen.
- Dieser Guide behandelt, was mit funf Monaten wirklich passiert, was du filmen solltest, bevor der Moment vorbei ist, und warum dein Baby vor dem Spiegel einige der besten Aufnahmen des ganzen Jahres liefert.
Dein Baby wird ein Mensch.
Nicht auf die Art, wie es vorher ein Mensch war – die winzige, schlafrige, Kartoffel-Phase, in der es existierte und du existiertest und alle einfach nur versuchten, die Nachte zu uberstehen. Diese Phase hatte ihre eigene Schonheit. Aber Monat 5 ist anders.
Monat 5 ist, wenn es anfangt, Dinge absichtlich zu tun. Es greift nach Sachen, weil es sie will. Es schaut dich an, weil es dich erkennt. Es lacht, weil etwas tatsachlich lustig fur es ist, nicht wegen eines Reflexes. Und es steckt absolut alles in den Mund, weil der Mund offenbar das zuverlassigste Forschungsinstrument ist, das einem funf Monate alten Wissenschaftler zur Verfugung steht.
Das ist auch der Monat, in dem der Spiegel zum faszinierendsten Gegenstand im Haus wird. Es weiss nicht, dass das Baby im Spiegel es selbst ist. Es denkt, es hat einen Freund gefunden. Und zuzuschauen, wie es das herausfindet – oder komplett daran scheitert, es herauszufinden – ist eines der wirklich frohlichsten Dinge, die du filmen wirst.
Es ist ein leichterer Monat. Die grossen Meilensteine liegen noch vor euch. Aber die Aufnahmen aus diesem Zeitfenster haben eine alberne, reine Energie, die die fruheren Monate nicht hatten und die spateren Monate nicht ganz erreichen werden.
Schnapp dir dein Handy. Lass uns daruber reden, was du festhalten solltest.
Was in diesem Monat passiert
In beide Richtungen rollen. Wenn Monat 4 dir das erste Bauch-zu-Rucken-Rollen gebracht hat, ist Monat 5, wenn es das Set komplettiert. Rucken zu Bauch, Bauch zu Rucken, und manchmal einfach quer durch den Raum rollen wie ein sehr langsamer, sehr verwirrter Baumstamm. Es kann jetzt Orte erreichen. Nicht effizient, aber entschlossen.
Standig Himbeeren blasen. Es hat entdeckt, dass sein Mund Gerausche machen kann, und es mochte gerne alle machen, die ganze Zeit. Die Himbeere ist das Flaggschiff-Produkt. Sie ist laut, sie ist nass, und es findet sie jedes einzelne Mal zum Schreien komisch. Du wirst sie ungefahr zweihundert Mal weniger komisch finden als dein Baby.
Spiegel-Faszination. Das ist die Hauptattraktion. Setz dein Baby vor einen Spiegel und schau, was passiert. Es starrt. Es lachelt. Es streckt die Hand aus und beruhrt das Glas. Es spricht mit dem anderen Baby. Es hat keine Ahnung, dass das andere Baby es selbst ist, und die echte Freude in seinem Gesicht ist mehr wert als jedes gestellte Foto, das du jemals machen wirst.
Sitzen mit weniger Unterstutzung. Noch nicht alleine – das kommt noch. Aber die Tage, an denen du beide Hande hinter ihm brauchst, gehen zu Ende. Es kann sich fur langere Phasen aufrecht halten, wackelnd wie ein sehr kleines, sehr entschlossenes Bauwerk, das seine statische Prufung noch nicht ganz bestanden hat.
Zahnungszeichen konnen anfangen. Der Sabber baut sich seit Wochen auf, aber um Monat 5 herum merkst du vielleicht, dass er wirklich sintflutartig wird. Auf Fausten kauen. Auf Spielzeug kauen. Auf deiner Schulter kauen. Auf dem Konzept des Kauens kauen. Echte Zahne erscheinen vielleicht noch eine Weile nicht, aber die Vorbereitungsphase ist dramatisch.
Fremdbewusstsein. Dein Baby beginnt, die Welt in zwei Kategorien einzuteilen: Menschen, die es kennt, und Menschen, die es nicht kennt. Das ist der ganz fruhe Anfang von Fremdeln, und es zeigt sich in kleinen Dingen – ein langerer Blick auf ein unbekanntes Gesicht, ein schnelleres Greifen nach dir, wenn jemand Neues es auf den Arm nimmt. Es weiss, wer seine Menschen sind. Du stehst auf der Liste.
Film das, bevor es weg ist
Diese Momente haben ein Verfallsdatum. Manche dauern ein paar Wochen. Manche ein paar Tage. Alle sind zehn Sekunden Filmmaterial auf dem nachsten Gerat wert.
1. Spiegelreaktionen
Setz dein Baby vor einen grossen Spiegel und film sein Gesicht, nicht das Spiegelbild. Die Kamera sollte hinter oder neben ihm sein und seinen Gesichtsausdruck einfangen, wenn es das andere Baby im Glas entdeckt.
Die Bandbreite der Reaktionen ist grossartig. Manche Babys erstarren und starren. Manche lacheln sofort. Manche strecken die Hand aus und hauen auf das Glas. Manche lehnen sich so nah heran, dass sie es mit ihrem Atem beschlagen. Sie wissen nicht, dass sie es selbst sind, und diese Unschuld ist der ganze Punkt. Diese Aufnahmen sind pure, nicht herstellbare Freude.
Mach es einmal pro Woche den ganzen Monat. Der Verlauf von verwirrt uber fasziniert bis gesprachig ist eine Geschichte, die du haben willst.
2. Quer durch den Raum rollen
Leg dein Baby auf eine Seite einer Decke und etwas, das es will, auf die andere Seite. Film die Reise.
Es wird nicht in gerader Linie rollen. Es wird nicht effizient rollen. Es wird seitwarts rollen, auf dem Bauch steckenbleiben, personlich beleidigt aussehen und es dann nochmal versuchen. Die Entschlossenheit in seinem Gesicht ist sportlich. Die Ausfuhrung ist Slapstick. Zusammen ist es perfektes Filmmaterial.
Zeitraffer funktioniert hier gut. Ein dreissig Sekunden langer Zeitraffer von einem Baby, das langsam uber einen Wohnzimmerboden migriert, ist Komodie, die sich selbst schreibt.
3. Die Himbeer-Symphonie
Film zehn Sekunden Himbeere auf Hochtouren. Mehr brauchst du nicht. Zehn Sekunden, in denen dein Baby Spuckeblasen bei voller Lautstarke blast, mit totaler Konzentration im Gesicht.
Das ist sein erstes echtes Experiment mit Sprache, auch wenn die Sprache derzeit aus einem Laut und einer Menge Speichel besteht. Es ubt Mundkontrolle, Atemkontrolle und das soziale Konzept, Larm zu machen, um eine Reaktion zu bekommen. Es bespritzt dabei auch alles im Umkreis von einem halben Meter.
Film es aus der Nahe. Seine Lippen, seine Wangen, der kleine Spruhnebel aus Blaschen. Es ist eklig und perfekt.
4. Geschmackstest
Sein Gesicht, wenn es einen neuen Geschmack erlebt, ist ein ganzer Kurzfilm in zwei Sekunden. Die Augenbrauen allein verdienen ihren eigenen Kanal.
Ein winziger Tropfen Zitrone auf einem Loffel. Ein Tropfen von etwas Saurem auf der Lippe. Das langsame Realisieren, die Gesichtsverzerrung, das Ganzkoper-Schaudern, und dann – fast immer – wie es nach mehr greift. Babys sind verwirrend.
Sprich mit deinem Kinderarzt oder deiner Kinderarztin, bevor du irgendetwas einfuhrst, auch nur Geschmacksproben. Aber wenn du bereits mit kleinen Geschmackseinfuhrungen angefangen hast, muss die Kamera laufen. Diese Reaktionsaufnahmen sind universell sehenswert. Es gibt einen Grund, warum Zitronen-Probier-Videos von Babys zusammen Hunderte Millionen Aufrufe auf YouTube haben.
5. Sitzen (fast)
Das Wackeln ist der ganze Witz. Film dein Baby aufrecht auf einer weichen Unterlage mit Kissen hinter ihm, und warte einfach.
Es halt drei Sekunden. Funf Sekunden. Vielleicht zehn. Seine Rumpfmuskulatur arbeitet auf Hochtouren. Sein Gesicht zeigt die Konzentration von jemandem, der eine Bombe entscharf. Und dann das langsame, unvermeidliche Kippen – das Wackeln, das zum Neigen wird, das zum Umfallen wird, das zu einer sanften Landung auf einem strategisch platzierten Kissen wird.
Film es von vorne, damit du sein Gesicht sehen kannst. Die Entschlossenheit vor dem Fall und die Uberraschung danach sind die zwei besten Einzelbilder des ganzen Clips.
6. Nach deinem Essen greifen
Es will, was du hast. Jede Mahlzeit, die du isst, ist jetzt eine Verhandlung mit einem kleinen Menschen, dessen Reichweite sich taglich verbessert und dessen Verlangen nach deinem Kaffee unerschutterlich ist.
Film das Greifen. Die Intensitat davon. Wie seine Augen sich auf deinen Teller fixieren wie ein Zielsystem, das ein Ziel erfasst. Wie seine Hand sich ausstreckt mit der absoluten Uberzeugung, dass es verdient, was auch immer auf deiner Gabel ist.
Du musst ihm nichts geben (die meisten Funf-Monate-Babys essen noch keine Beikost – das kommt nachsten Monat, und es kommt). Film einfach das Wollen. Das Greifen. Den Ausdruck des Verrats, wenn du das Ding isst, auf das es offensichtlich Anspruch erhoben hat.
7. Kuckuck-Reaktionen
Objektpermanenz ist im Anmarsch, und es blast deinem Baby den Verstand weg. Wenn du dein Gesicht bedeckst und wieder enthullst, beginnt dein Baby zu verstehen, dass du hinter deinen Handen immer noch existiert hast. Das ist offenbar die aufregendste wissenschaftliche Entdeckung, die ein funf Monate altes Baby machen kann.
Die Reaktionen reichen von fassungsloser Stille bis zu Ganzkoper-Lachen. Manche Babys schnappen nach Luft. Manche schreien vor Freude. Manche schauen dich an, als hattest du gerade echte Magie vollbracht, was du aus ihrer Perspektive auch getan hast.
Film aus einem niedrigen Winkel, nah an seinem Gesicht. Du willst jeden Mikroausdruck einfangen. Die Vorfreude, bevor du dein Gesicht enthullst, ist fast besser als die Enthullung selbst.
8. Der Sabber-Wasserfall
Wenn das Zahnen begonnen hat, ist die Menge an Sabber, die dein Baby produziert, wirklich erstaunlich. Film es. Dokumentiere es. Zukunftige Wissenschaftler konnten diese Daten brauchen.
Eine Nahaufnahme des einzelnen, glanzenden Sabberfadens, der von seinem Kinn hangt. Das Latzchen, das in zwanzig Minuten durchgeweicht ist. Sein Oberteil, das zum dritten Mal heute gewechselt werden muss, und es ist noch nicht mal Mittag. Das ist die Realitat des Zahnens, und es ist gleichermassen elend und urkomisch.
Film es, wie es auf etwas herumkaut – einem Beissring, einem kalten Waschlappen, deinem Fingerknochel. Die Intensitat des Kauens und der Wasserfall aus Sabber ergeben Aufnahmen, die jedes Elternteil in den Kommentaren sofort wiedererkennt.
Eine Video-Idee fur den Monat
Baby vs. Spiegel: eine Reaktions-Zusammenstellung.
Film dein Baby einmal am Tag fur eine Woche vor dem Spiegel. Oder einmal pro Woche fur den ganzen Monat. Stitch die Clips in chronologischer Reihenfolge zusammen mit einem einfachen Datumsstempel auf jedem.
Was du bekommst, ist ein Kurzfilm daruber, wie ein Baby sich in jemanden verliebt, der nicht existiert. Die erste Begegnung. Die wachsende Vertrautheit. Die Gesprache. Der Moment, in dem es das andere Baby greifen will und stattdessen auf Glas trifft. Der verwirrte Blick. Der Blick puren Glucks.
Halt es unter zwei Minuten. Verwende nur Originalton – sein Brabbeln, sein Lachen, das Klatschen seiner Hand auf dem Glas. Keine Musik notig. Der Soundtrack ist bereits perfekt.
Nenn es etwas Einfaches. “Baby entdeckt den Spiegel – Woche fur Woche” funktioniert. Genauso wie “Mein Baby hat eine Freundin gefunden (sie ist es selbst).” Der Inhalt macht die ganze Arbeit.
Spiegelreaktions-Videos funktionieren gut, weil sie genau die Schnittmenge von suss und faszinierend treffen. Erwachsene schauen sie und fuhlen etwas, das sie nicht ganz benennen konnen – eine Mischung aus Zartlichkeit und Staunen daruber, wie ein Gehirn in Echtzeit die Welt herausfindet.
Mach dir keine Sorgen wegen
Dass es noch nicht alleine sitzt. Manche funf Monate alte Babys sitzen selbststandig. Die meisten nicht. Das unterstutzte Wackeln ist vollig normal und genau da, wo sie sein sollten.
Dass die Himbeeren standig und extrem nass sind. Das ist kein Problem. Das ist Sprachentwicklung, verkleidet als Speichelkanone. Es trainiert Muskeln, die es zum Sprechen brauchen wird. Lass es spruhen.
Dass es sich heute nicht gedreht hat. Babys treten nicht auf Kommando auf. Dein Baby dreht sich vielleicht zwolfmal am Dienstag und nullmal am Mittwoch. Fahigkeiten in diesem Alter sind unbestandig, und das ist in Ordnung. Es hat es nicht vergessen. Es hatte einfach keine Lust.
Dass es geweint hat, als deine Freundin es auf den Arm genommen hat. Fremdeln ist ein Zeichen dafur, dass das Gehirn sich genau so entwickelt, wie es soll. Vertraute Gesichter zu erkennen und bei unbekannten unsicher zu sein, ist anspruchsvolle kognitive Arbeit. Das Weinen ist das Feature, nicht der Bug.
Dass alles im Mund landet. Alles. Dein Handy, die Fernbedienung, die Ecke eines Buchs, sein eigener Fuss, dein Kinn. So lernt es uber Gegenstande – Textur, Temperatur, Grosse, Geschmack. Der Mund ist gerade sein primares Forschungsinstrument. Halte kleine und gefahrliche Gegenstande ausser Reichweite und lass es den Rest untersuchen.
Dass du den perfekten Schuss verpasst hast. Du wirst immer den perfekten Schuss verpassen. Der zweitbeste, den du tatsachlich bekommen hast, ist der, der zahlt. Dein Baby wird die meisten dieser Dinge morgen wieder tun. Und ubermorgen. Du hast Zeit.
Das Fazit
Monat 5 sitzt im Sweet Spot zwischen der Intensitat der fruhen Monate und dem Chaos der Mobilitat, die kommt. Dein Baby ist wach, engagiert, interaktiv und lustig – wirklich lustig, auf eine Art, die nicht nur deine Projektion auf ein gahnendes Neugeborenes ist.
Film den Spiegel. Film die Himbeeren. Film das Wackeln und das Greifen und den Sabber. Nichts davon muss poliert sein. Alles davon muss existieren.
Und mach dich bereit. Denn Monat 6 kommt, und Monat 6 ist, wenn der Loffel rauskommt. Die erste Beikost ist der meistgeschaute Baby-Content im gesamten Internet, und dein Baby steht kurz davor, in seiner eigenen Version die Hauptrolle zu spielen. Der nachste Guide wartet schon.
Geniess vorerst die Mund-Phase. Geniess die Spiegel-Phase. Geniess die Phase, in der dein Baby denkt, es hatte jedes Mal einen brandneuen besten Freund gefunden, wenn es sein eigenes Spiegelbild sieht.
Es wird nicht ewig dauern. Aber wenn du es filmst, muss es das auch nicht.
Was du als Nachstes lesen solltest
- Monat 4 – Die Hande entdeckt und das Anstarren hort nicht auf – der Monat davor, als die Hande die Hauptattraktion waren
- Monat 6 – Erstes Essen, erster Geschmack, erstes Chaos – der grosse Moment. Erste Beikost. Der meistgefilmte Baby-Meilenstein im Internet. Du willst vorbereitet sein.
- So filmst du das erste Jahr deines Babys, ohne auszubrennen – ein nachhaltiger Ansatz, alles festzuhalten, ohne den Verstand zu verlieren
- Die einzige Kameraausrustung, die du fur Baby-Vlogs wirklich brauchst – Spoiler: weniger als du denkst
Veroffentlicht auf babiesvlog.com. Teil der Monat-fur-Monat Meilenstein-Filmguide-Serie.
Dieser Beitrag ist Teil der babiesvlog.com 12-Monats-Meilenstein-Serie – ein Guide fur jeden Monat im ersten Lebensjahr deines Babys. Jeder Beitrag behandelt, was entwicklungstechnisch passiert, was du filmen solltest und wie du Aufnahmen machst, fur die du spater dankbar sein wirst.
